Harzer Sage · Ilsenburg
Prinzessin Ilse vom Ilsestein
Die Prinzessin im Felsen und der Köhler mit dem schweren Ranzen.
Teil 1
Die Sage, wie sie überliefert ist
Nach Brüder Grimm, Deutsche Sagen, Nr. 316, mit Einzelheiten aus Otmar, Volcks-Sagen (1800)
Bei Otmar und den Brüdern Grimm heißt der Ilsestein noch Ilsenstein, und die Prinzessin ist dort die Jungfrau Ilse. Der Felsen liegt unweit von Ilsenburg am Fuß des Brockens, und die Ilse fließt an ihm vorbei.
Jeden Morgen, sobald der erste Sonnenstrahl den Felsen trifft, schließt Ilse den Ilsenstein auf und steigt hinab zur Ilse, um in ihrem spiegelhellen Wasser zu baden. Nur wenigen ist es vergönnt, sie zu sehen. Wer sie aber gesehen hat, lobt ihre Schönheit und Güte.
Einst fand sie frühmorgens ein Köhler, der in den Wald gehen wollte, an der Ilse sitzen. Er grüßte sie freundlich, und sie winkte ihm mitzukommen. Vor dem großen Felsen nahm sie ihm seinen Ranzen ab und klopfte dreimal an, und der Ilsenstein tat sich auseinander. Sie ging hinein und brachte den Ranzen gefüllt zurück. Ernstlich befahl sie dem Köhler, ihn erst in seiner Hütte zu öffnen. Er dankte und ging.
Der Ranzen war schwer, und auf der Ilsenbrücke konnte der Köhler seine Neugier nicht länger bezwingen. Er öffnete den Ranzen und sah Eicheln und Tannenzapfen. Unwillig schüttelte er sie in den angeschwollenen Fluss. Doch als sie auf die Steine der Ilse fielen, klingelte es laut, und mit Schrecken sah er, dass er Gold verschüttet hatte. Den Rest, den er noch in den Ecken fühlte, wickelte er sorgsam ein und trug ihn nach Hause. Es war noch so viel Gold, dass er sich ein kleines Gut kaufen konnte.
Wer die Jungfrau ist, erzählen Otmar und die Grimms so: Zur Zeit der Sintflut floh sie mit ihrem Geliebten dem Brocken zu. Da spaltete sich der Fels unter den beiden, und sie verschwanden in der Flut. Seitdem wohnt Ilse im Ilsenstein, und nach ihr, so heißt es, sind Tal, Fluss und Felsen benannt.
Teil 2
Unsere Kurzgeschichte
Frei erzählt von HarzTraveler nach der Sage
Es fing gerade an zu schneien, als Wendel, der Köhler, auf die Brücke über die Ilse kam. Einen Schuh hatte er im Matsch verloren, und der Ranzen auf seinem Rücken war so schwer, als steckte ein halber Felsen darin. Diesen Winter sollten seine Kinder nicht frieren. Doch der Kohlenherr wollte bis zum ersten Schnee zehn Wagen Kohle, sonst standen sie vor verschlossener Tür im Schnee.
Am Morgen hatte Wendel die Prinzessin Ilse freundlich gegrüßt. Sie hatte dreimal an den Ilsestein geklopft, den Ranzen gefüllt und ernst gesagt: „Mach ihn erst in deiner Hütte auf.“
Jetzt murmelte Wendel: „Nur mal kurz gucken.“ Eicheln und Tannenzapfen! Ärgerlich schüttelte er alles in die Ilse. Da klingelte es hell auf den Steinen, und unter dem Schaum blitzte Gold. Dummkopf, dachte Wendel. In den Ecken lag noch etwas, und diesmal band er den Ranzen fest zu.
Hinter ihm lachte der Kohlenherr leise. „Gib mir den Rest und zeig mir die Tür der Prinzessin“, sagte er, „dann dürft ihr bleiben.“
„Nein“, sagte Wendel. „Einmal habe ich schon geguckt. Den Rest mache ich erst zu Hause auf.“
Da klopfte der Kohlenherr mit seinem Stock an den Fels, doch für ihn ging nichts auf. Auf dem glatten Stein im Fluss rutschte er aus und landete prustend in der eiskalten Ilse. Zu Hause lag in den Ecken genug Gold für einen eigenen kleinen Hof mit einem großen, warmen Ofen. Den Ilsestein mit seinem eisernen Kreuz findet ihr im Nationalpark Harz bei Ilsenburg, und dort bleibt ihr auf dem Weg.
Teil 3
Unsere Langgeschichte zum Anhören
Frei erzählt von HarzTraveler nach der Sage
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- Erstes Kapitel: Zehn Wagen bis zum Schnee.
- Es war noch dunkel, als Wendel, der Köhler, Erde auf seinen Meiler strich. Der Meiler war ein runder Berg aus Holzscheiten, und drinnen glühte das Holz seit Tagen, bis es Kohle wurde. Brennen durfte es nie.
- Bitterer Rauch kroch aus kleinen Löchern, und unten im Tal rauschte die Ilse unter dem Nebel.
- Auf Wendels Mütze plusterte sich Rätsch auf, ein Eichelhäher mit blauen Streifen an den Flügeln, der nur zwei Dinge liebte: seine Federn und Eicheln. Die Luft roch schon nach Schnee, und Wendel rieb sich die steifen Finger.
- „Guten Morgen, Alter“, sagte Wendel zum Meiler, so leise, als könnte der erschrecken. „Diesen Winter soll keiner frieren.“
- Im letzten Winter hatte seine Kleinste mit seiner Mütze an den Füßen geschlafen.
- Da schlug unten am Weg jemand an die Bäume, dreimal an jeden Stamm. Eine Laterne schaukelte herauf, getragen von zwei Knechten, die sich unter jedem Ast bücken mussten.
- Zwischen ihnen ging ein Mann in einem kohlengrauen Mantel, und seine Ärmel leuchteten unten so rot wie die Glut im Meiler. Er trug blanke Stiefel, und vor jeder Pfütze hoben ihn die Knechte hinüber.
- Das war der Kohlenherr, und ihm gehörte sogar Wendels Hütte.
- Wendel nahm die Mütze ab, mitsamt Rätsch. „Guten Morgen, Herr Kohlenherr“, sagte er. Der Kohlenherr grüßte nie. Er klopfte mit dem silbernen Knauf seines Stocks dreimal an den Meiler, wie an alles, was ihm gehörte.
- „Mein Meiler“, sagte er, so höflich und so kalt, dass Wendels Finger noch steifer wurden. „Ich will zehn Wagen Kohle, bevor der erste Schnee ins Tal fällt.“
- „Sonst stehen deine Kinder im Schnee“, sagte er noch leiser, „und hinter euch schließe ich die Tür zu.“
- Da schluckte Wendel. „Sieben Wagen habe ich schon gebracht“, sagte er. „Mehr gibt der Meiler vor dem Schnee nicht her.“
- Der Kohlenherr hob den Stock. „Nicht?“, fragte er. „Dann höre ich mal, was drin ist.“ Er schlug dreimal zu.
- Die Erde bröckelte, und fauchend schoss eine Flamme heraus. Hastig schaufelte Wendel Erde darauf, bis sie erstickte, doch eine Seite des Meilers war schon Asche.
- Der Kohlenherr wischte sich nur eine Flocke vom Ärmel. „Asche auf meinem Mantel“, sagte er ärgerlich. „Zehn Wagen, Köhler, bis zum Schnee.“ Dann ließ sich der Kohlenherr davontragen.
- Beleidigt schlug Rätsch mit den Flügeln und krächzte mit einer Stimme wie eine rostige Tür: „Nicht mal gegrüßt hat er! Nicht einmal mich.“
- Schwer stützte sich Wendel auf die Schaufel. Bis zehn fehlten ihm drei Wagen und ein Wunder, und betteln half nichts. Also ging er hinunter zur Ilse, um sich die Asche abzuwaschen, bevor seine Kinder ihn so sahen.
- Unten am Ufer stach Wendel das eiskalte Wasser in die Finger. Plötzlich sang jemand, leise und hell, mitten im Rauschen.
- Wendel war schrecklich neugierig, und seit er die Kuckucksuhr aufgeschraubt hatte, rief der Kuckuck immer eine halbe Stunde zu spät. Nur mal kurz gucken, dachte er und ging dem Singen nach, um eine Erle herum.
- Hoch über dem Tal traf der erste Sonnenstrahl den Ilsestein, einen riesigen Felsen aus Granit. Da saß eine Frau in einem flussblauen Kleid auf einem runden, hellgrauen Stein mitten im Fluss und ließ die Füße ins Wasser hängen.
- Ihr Haar fiel ihr bis in die Wellen, blau und türkis, mit weißen Schaumlocken, und darauf glitzerte eine Krone aus Wassertropfen.
- Als sie Wendel entdeckte, sprang sie auf. Freundlich wie immer lüftete Wendel die Mütze und rief: „Guten Morgen!“
- Die Frau lachte so hell, dass die Ilse einen Augenblick leiser rauschte. „Guten Morgen, Köhler!“, rief sie. „Ich bin Ilse, so wie der Fluss. Rein ins kühle Nass!“
- Wendel wich zurück. „Danke, lieber nicht, viel zu kalt.“ Schon spritzte Ilse ihn nass, und das Wasser lief ihm in den Kragen. Rätsch bekam am meisten ab und zählte beleidigt seine Federn.
- Dann winkte Ilse ihm und lief barfuß voraus.
- Oben am Hang sah der Kohlenherr durch den Nebel, wem der Köhler folgte. Jeder im Tal kannte die alte Geschichte: Wem die Prinzessin vom Ilsestein winkt, der kommt reich nach Hause.
- Dem Kohlenherrn hatte sie in dreißig Jahren nie gewinkt.
- Leise und gar nicht mehr höflich sagte der Kohlenherr: „Ausgerechnet einem Köhler! Was er heimträgt, gehört mir. Ich warte am Weg auf ihn.“
- Zweites Kapitel: Nur mal kurz gucken.
- Neugierig sah Wendel am Ilsestein hinauf, der nach Moos und nassem Stein roch. Der Felsen war so hoch, dass Rätsch beim Hinaufschauen rückwärts von Wendels Mütze kippte.
- Das Wasser tropfte Wendel aus dem Kragen, seine Zähne klapperten, und ganz oben glänzte die Spitze des Felsens in der Sonne. Ilse aber stand keinen Augenblick still und hüpfte von einem Fuß auf den anderen.
- „Gib mal her“, sagte Ilse und nahm Wendel den leeren Ranzen vom Rücken. Dann klopfte sie mit den Knöcheln an den Felsen, dreimal.
- Jetzt klopft ihr dreimal auf den Tisch, so wie Ilse. Wer schon im Bett liegt, klopft an die Bettkante. Eins. Zwei. Drei!
- Tief im Felsen knirschte es, und der Ilsestein tat sich auseinander, einen Spalt breit. Blaues Licht fiel heraus, drinnen spielte leise Musik wie von winzigen Trompeten, und mit dem Ranzen schlüpfte Ilse hinein.
- Nur mal kurz gucken, dachte Wendel und schob die Nase an den Spalt. Da ging der Fels zu, so dicht vor ihm, dass seine Nasenspitze danach nach Granit roch.
- Bald kam Ilse wieder heraus, den Ranzen in beiden Armen, so prall und schwer, dass sie zum ersten Mal langsam ging. Dann stand sie ganz still.
- „Mach den Ranzen erst in deiner Hütte auf“, sagte sie, so ernst, dass Rätsch den Kopf einzog. „Vorher nicht. Versprichst du mir das?“
- Wendel nickte. „Versprochen, und danke.“ Da lachte Ilse wieder, sprang in den Fluss und war verschwunden.
- Am Fluss entlang wurde der Ranzen mit jedem Schritt schwerer. Die Riemen schnitten Wendel in die Schultern, im Ranzen klapperte es, hart und hölzern, und mit dem Gewicht wuchs die Neugier.
- „Eicheln!“, krächzte Rätsch, den Schnabel an der Naht, und schlug vor Freude mit den Flügeln. „Ich rieche Eicheln!“
- Über dem Brocken zogen graue Wolken auf, und hinter der nächsten Biegung stand mitten auf dem Weg die Laterne. Der Kohlenherr lächelte breit. „Guten Morgen, mein lieber Köhler!“, rief er. „Was trägst du denn so Schweres?“
- In Wendels Ohr flüsterte Rätsch: „Der Kohlenherr hat Guten Morgen gesagt. Das hat er noch nie.“
- Sanft sagte der Kohlenherr: „Gib mir den Ranzen, und ihr dürft bleiben, den ganzen Winter, ohne Kohle.“
- Wendel hörte die Gier darin, dachte an seine Kinder und hielt die Riemen fest. „Das ist ein Geschenk“, sagte er. „Ich habe versprochen, den Ranzen erst zu Hause aufzumachen.“
- Das Lächeln blieb, aber die Stimme des Kohlenherrn wurde leise und kalt. „Was aus meinem Wald kommt, gehört mir. Nehmt dem Köhler den Ranzen ab.“
- Die Knechte kamen näher, und ihre Schatten fielen über Wendel. Erschrocken sprang er vom Weg hinunter, zwischen die nassen Erlen.
- Als die Knechte hinterherwollten, rief der Kohlenherr: „Halt! Doch nicht ohne mich. Tragt mich!“
- Während sie ihn seufzend hochhoben, rutschte Wendel bis ans Ufer. Sein linker Schuh blieb im Matsch stecken, und er ließ ihn stecken.
- Hinter ihm rief der Kohlenherr: „Lauf nur, Dummkopf! Wer weiß, was die Prinzessin dir eingepackt hat. Steine und Dreck!“
- Mit nur einem Schuh lief Wendel weiter, und das Wort Dummkopf klebte an ihm wie Matsch an einer Sohle.
- Oben am Weg befahl der Kohlenherr leise: „Zur Brücke. Über die Brücke muss der Köhler.“
- Auf der Brücke hielt Wendel an und schnaufte. Unter den Brettern schäumte die Ilse, dick und braun vom Regen, und der Ranzen war so schwer, als steckte der halbe Ilsestein darin.
- Wendel dachte: Wenn da wirklich nur Eicheln drin sind, dann lacht das ganze Tal über mich.
- Rätsch bettelte: „Mach auf, nur ein kleines bisschen!“
- Wendel murmelte: „Nur mal kurz gucken.“ Er zog die Schnur auf und sah hinein. Eicheln. Eicheln und Tannenzapfen, bis oben hin.
- Wendels Ohren wurden heiß. Für Eicheln hatte er seinen Schuh im Matsch gelassen! Ärgerlich hob er den Ranzen über das Geländer und schüttelte ihn aus.
- Entsetzt schlug Rätsch die Flügel vor die Augen und schrie: „Nicht meine Eicheln!“
- Die Eicheln und Tannenzapfen fielen in die Ilse, und wo sie auf die Steine trafen, klingelte es, hell und laut. Im braunen Wasser blitzte es gelb. Das war kein Eichelbraun. Das war Gold.
- Dann schob die Ilse ihren Schaum darüber, und nichts war mehr zu sehen.
- Stumm starrte Wendel ins Wasser, bis eine Schneeflocke auf seine leere Hand fiel. Und hinter ihm klopfte etwas Hartes dreimal auf die Bretter.
- Drittes Kapitel: Rein ins kühle Nass.
- Es schneite. Die Flocken fielen auf das Geländer, auf Wendels Mütze und in die Ilse, die sie eine nach der anderen verschluckte. Sein Fuß im nassen Strumpf war so kalt, dass er ihn kaum noch spürte.
- Am Anfang der Brücke setzten die Knechte den Kohlenherrn ab, auf ein trockenes Brett. Er lachte leise, und Wendel wusste: Der hatte alles gesehen. „Gold“, sagte der Kohlenherr zufrieden.
- „Du hast Gold in die Ilse geschüttet. So dumm war noch keiner im Tal, und morgen weiß es jeder, denn ich kenne alle.“
- „Und es schneit, Köhler“, sagte er. „Heute Abend seid ihr draußen.“
- Mutlos sah Wendel die Kinder schon im Schnee vor der Hütte stehen, und hinter ihnen drehte sich der Schlüssel im Schloss. Dummkopf, dachte er. Diesmal hatte der Kohlenherr recht.
- Rätsch drückte sich stumm an Wendels Hals, als wollte er ihn wärmen, und der Schnee fiel ohne einen Laut in die Ilse.
- Doch unten in den Ecken des Ranzens fühlte Wendel noch etwas, klein und schwer.
- Rätsch hob den Kopf. „Da sind noch Eicheln drin“, flüsterte er.
- Diesmal sah Wendel nicht hinein. Zitternd wickelte er die Ecken sorgfältig ein und machte zwei Knoten. „Den Rest mache ich zu Hause auf“, sagte er fest.
- Der Kohlenherr hielt die Hand auf. „Gib mir den Ranzen. Und zeig mir, wo die Prinzessin angeklopft hat. Dann dürft ihr bleiben, den ganzen Winter.“
- Wendel dachte an die kalten Füße der Kleinsten, dann dachte er an Ilse, wie sie gelacht und ihm Guten Morgen gesagt hatte.
- „Dumm war ich heute schon“, sagte er, und seine Stimme zitterte nur ein bisschen. „Aber mein Versprechen halte ich. Und Ilses Tür verrate ich nicht.“
- Der Kohlenherr lächelte nicht mehr. „Behalt deine paar Eicheln“, sagte er. „Ich hole mir den ganzen Felsen. Tragt mich hin!“ Wendel ging hinterher, um Ilses Tür zu schützen.
- Am Fuß des Ilsesteins schlug der Kohlenherr mit dem Knauf dreimal gegen den Fels, dass es widerhallte. Wendel erschrak, denn auch Ilse hatte dreimal geklopft. Doch nichts geschah.
- „Aufmachen, Prinzessin!“, brüllte der Kohlenherr und schlug noch fester. „Mein Fels! Sonst lasse ich jeden Baum an deinem Ufer fällen und mache Kohle daraus!“
- Dann sah der Kohlenherr den runden Stein im Fluss. „Dort hat die Prinzessin gesessen“, zischte er. „Dort ist ihre Tür. Hebt mich auf den Stein!“
- Die Knechte stellten ihn darauf, doch der Stein war weiß vom ersten Schnee und spiegelglatt.
- Wendel wusste, dass diese blanken Stiefel noch nie nassen Stein berührt hatten. „Vorsicht, Herr, der Stein ist glatt!“, rief er.
- Ruft mit Wendel: Vorsicht, glatt!
- Stolz drehte sich der Kohlenherr nicht einmal um. „Ein Kohlenherr lässt sich von einem Köhler nichts sagen.“
- Er hob den Stock über den Kopf. Beim ersten Schlag wirbelte der Schnee vom Stein. Beim zweiten rutschte sein rechter Stiefel ein Stück zur Seite.
- Beim dritten holte er aus, so weit er konnte, und da rutschten ihm beide Stiefel weg.
- Einen Augenblick hing der Kohlenherr in der Luft, der graue Mantel ging auf wie eine Glocke, und sein Hut flog davon. Dann fiel er rückwärts in die Ilse.
- Wasser spuckend kam er wieder hoch, bis zum Bauch im eiskalten Fluss. Da lachte es im Rauschen, hell und fröhlich, und aus dem Schaum rief Ilse: „Rein ins kühle Nass!“
- Sein Hut hatte drei Ecken, und alle drei schwammen davon, die Ilse hinunter.
- Grinsend zogen die Knechte ihn heraus und trugen ihn tropfend heim. Seine Zähne klapperten so sehr, dass er nicht einmal „Mein Hut“ sagen konnte.
- Als Wendel heimkam, saßen seine Frau und die Kinder mit kalten Füßen am kleinen Feuer. Er stellte den Ranzen auf den Tisch und löste die Knoten. „Jetzt dürft ihr gucken“, flüsterte er.
- In den Ecken lagen Eicheln und Tannenzapfen, und im Feuerschein leuchteten sie gelb. Sie waren aus Gold. Nur eine Eichel war braun geblieben. Mit vollem Schnabel sagte Rätsch: „Die ist für mich.“
- Als Erstes kaufte Wendel neue Schuhe, ein Paar für jeden und für sich selbst einen einzelnen linken. Der Rest reichte für einen kleinen Hof mit eigenem Meiler, und noch vor dem Abend zogen sie ein.
- Der Ofen dort war so groß, dass alle Kinder zugleich ihre Füße wärmen konnten. Und wer im Winter bei Wendel anklopfte, bekam einen Platz am Ofen, auch wenn er nie Guten Morgen sagte.
- Den Ilsestein gibt es wirklich, im Nationalpark Harz bei Ilsenburg. Wer hinaufsteigt, bleibt auf dem Weg, und oben am eisernen Kreuz nehmen die Großen die Kleinen an die Hand.
- Ins kühle Nass geht dort aber nur eine, und das ist Ilse.
- Rätsch jedenfalls sucht dort bis heute Eicheln. Die goldenen lässt er liegen.
Wo ihr das heute seht
Der Ilsestein liegt gut zwei Kilometer südlich von Ilsenburg im Nationalpark Harz. Vom Gipfel mit dem eisernen Kreuz blickt ihr ins Ilsetal und bis zum Brocken. Unten im Tal rauscht die Ilse, und weiter oben springt sie über die Ilsefälle – vielleicht badet dort ja gerade die Prinzessin.
Auf der Harzkarte zeigen etwa 9 km von Bad Harzburg