Harzer Sage · Thale
Der Hexentanzplatz
Wo die Hexen vor der Walpurgisnacht Rast machten, bevor es zum Brocken ging.
Teil 1
Die Sage, wie sie überliefert ist
Nach Brüder Grimm, Deutsche Sagen, Nr. 189, und Kuhn und Schwartz, Norddeutsche Sagen, 1848
Den Hexentanzplatz bei Thale nannte das Volk um 1800 des Teufels Tanzplatz, und den Brocken nennen die alten Sagen auch Blocksberg.
Auf dem nördlichen Harz, zwischen Blankenburg und Quedlinburg, liegt südlich von Thale eine große Felsenfläche, eben dieser Tanzplatz. Nicht weit davon liegen Trümmer einer alten Mauer, und nördlich von Thale erhebt sich ein großes Felsenriff. Beides nannte das Volk Teufelsmauer.
Der Teufel stritt lange mit dem lieben Gott um die Herrschaft über die Erde. Endlich verabredeten die beiden, das Land zu teilen, das damals bewohnt war. Die Felsen, wo heute der Tanzplatz ist, sollten die Grenze sein, und der Teufel baute dort unter lautem Jubeltanz seine Mauer. Aber bald fing der Nimmersatt neuen Streit an. Der endete damit, dass er noch das Tal am Fuß des Felsens dazubekam. Darauf türmte er noch eine zweite Teufelsmauer auf. Vom Jubeltanz des Teufels, so schrieb Otmar im Jahr 1800, hat der Tanzplatz seinen Namen.
Eine zweite Überlieferung schrieben die Sammler Kuhn und Schwartz 1848 nach einer Mitteilung aus Drübeck auf. Am Abend vor dem ersten Mai ziehen die Hexen zum Blocksberg. Auf dem Hexentanzplatz bei Thale versammeln sie sich und ruhen von ihrer Fahrt aus, erst dann geht es weiter. Im selben Buch steht, dass die Hexen auf Ziegenböcken und Ofengabeln reiten und in Kutschen fahren, vor die vier Enten gespannt sind. Hier rasten die Hexen also nur; getanzt wird nach derselben Sammlung oben auf dem Blocksberg.
Eine dritte alte Erklärung des Namens, der letzte Tanz einer Königstochter vor ihrem Sprung zur Roßtrappe, gehört zur Sage von Brunhilde.
Teil 2
Unsere Kurzgeschichte
Frei erzählt von HarzTraveler nach der Sage
Kurz vor Mitternacht saß Minze allein auf dem Hexentanzplatz hoch über dem Bodetal. Es war stockdunkel, kalte Tropfen liefen ihr aus den minzgrünen Haarpuscheln in den Kragen, und in ihren viel zu großen Stiefeln stand das Wasser. Minze war sieben und durfte zum ersten Mal mit den großen Hexen zum Brocken, und den ganzen Weg wollte sie selbst fliegen. Doch der Nebel ringsum war die Trübe aus der Schlucht, die immer friert. Sie hatte Minzes Ofengabel in die Tiefe gezogen. Unter Minzes Decke hatte sie ein graues Bündel gelegt, und die alte Nessel hatte geglaubt, Minze schlafe in der Kutsche. Nun waren alle fort, und um Mitternacht wollte die Trübe Minze mit nach unten nehmen.
„Ich habe Angst“, sagte Minze. Dann rieb sie sich die Hände warm und schnippte türkisfarbene Funken, bis ihre Finger leer waren. Wo ein Funke hinflog, brannte er ein Loch in die Trübe, und durch eines kroch die Ofengabel zurück in Minzes warme Hand. Sie zog Minze steil nach oben, zum größten Feuer der Nacht. Graue Finger griffen nach dem Kleidsaum und fassten ins Leere. Gierig stieg die Trübe hinterher, bis sie in der milden Luft über dem Nebel verging und nur noch ein Wölkchen war, das beleidigt nieste.
Auf dem Brocken war Minze lange vor der Kutsche, und Nessel sagte trocken: „Und ich habe mich noch gewundert, dass du unterwegs so still warst.“ Den Hexentanzplatz gibt es wirklich, bei Thale gegenüber der Roßtrappe, und eine Kabinenbahn fährt hinauf.
Teil 3
Unsere Langgeschichte zum Anhören
Frei erzählt von HarzTraveler nach der Sage
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- Erstes Kapitel: Die Ofengabel will ins Warme.
- Am Abend vor dem ersten Mai stand die Sonne tief über dem flachen Land. Die Felder reichten so weit, dass der Harz dahinter nur als blauer Streifen am Himmel lag. Der höchste Buckel darin war der Brocken.
- Minze flog über die Wiese hinter Nessels schiefem Hexenhaus. Sie war ein Hexenmädchen von sieben Jahren und lernte gerade fliegen. Ihr violetter Hut war viel zu groß und rutschte ihr bei jeder Kurve über die Augen.
- Der Abendwind war kalt, und ihre Finger wurden klamm.
- Sie flog auf einer Ofengabel, einem langen Holzstiel mit zwei Eisenzinken vorn, und hundert Jahre lang hatte Nessel damit Töpfe in den heißen Backofen geschoben. Darum mochte die Ofengabel nur eine Sache, und das war Wärme.
- Aus dem Küchenfenster wehte warme Luft, die nach frischem Brot roch, und die Ofengabel bog ab, geradewegs darauf zu.
- „Nicht ins Haus!“, rief Minze so laut, dass eine Amsel schimpfend aus dem Holunderbusch flog. Sie riss den Stiel nach oben. Die Ofengabel bockte, der Hut rutschte Minze über die Augen, und dann krachte es.
- Aus dem Holunderbusch ragten zwei Beine in violetten Strumpfhosen und viel zu großen Stiefeln.
- „Nur noch eine Runde!“, rief Minze aus dem Busch.
- In der Küchentür stand die alte Hexe Nessel, den grauen Zopf zweimal um den Hals gewickelt wie einen Schal. Ihre Stimme war so trocken, dass man vom Zuhören Durst bekam. „Erstens gibt es keine Runde mehr“, sagte sie.
- Minze sprang aus dem Busch. „Und dieses Jahr darf ich mit!“, rief sie.
- „Zweitens“, sagte Nessel. „Landest du unterwegs auch nur einmal im Busch, fährst du bei mir in der Kutsche.“
- Minze stemmte die Fäuste in die Seiten. „Ich lande nicht im Busch! Ich fliege den ganzen Weg selbst, bis ganz oben auf den Brocken!“
- Nessel zupfte ihr ein Holunderblatt vom Hut und sagte nichts.
- „Drittens“, sagte sie, und auf einmal klang ihre Stimme gar nicht mehr trocken.
- „In der Schlucht, über die wir fliegen, wohnt die Trübe. Das ist ein Nebel, der immer friert. Wen sie erwischt, den zieht sie hinunter ins Nasse und Dunkle, und der sieht nie wieder ein Feuer.“
- Minze zog sich den Hut über die Ohren. Nebel war doch bloß nasse Luft, dachte sie.
- Als der Mond aufging, kamen die großen Hexen, ein paar auf Ofengabeln und die meisten auf Ziegenböcken mit langen Bärten. Rast wollten alle auf dem Hexentanzplatz machen, hoch über der Schlucht.
- Doch um Mitternacht mussten sie wieder in der Luft sein, denn dann stieg die Trübe bis ganz nach oben.
- Nessel flog schon lange nicht mehr selbst. Sie fuhr. Vor ihre kleine schwarze Kutsche waren vier große weiße Enten gespannt, eine hinter der anderen. Sie hießen Erstens, Zweitens, Drittens und Viertens, weil Nessel so gern zählte.
- Auf Nessels Pfiff rannten die Enten los. Viertens rannte noch, als die anderen schon flogen, und die Kutsche hing einen Augenblick schief in der Luft. Dann stiegen alle in den Himmel, Minze hinterher.
- Unter ihnen lagen Dörfer, und aus jedem Schornstein stieg warmer Rauch. Die Ofengabel wollte zu jedem einzelnen.
- Wer mitfliegen will, hält jetzt eine unsichtbare Ofengabel vor dem Bauch und lehnt sich mit. Da raucht ein Schornstein, sie zieht nach links! Da dampft ein Backhaus, sie zieht nach rechts! Und jetzt festhalten und geradeaus!
- Bald roch die Luft nach Tannen. Mitten in die dunklen Berge schnitt das Bodetal, eine Schlucht so tief, dass man die Bode nur rauschen hörte. Oben am Rand brannte schon ein Feuer.
- Unten aber kroch ein grauer Streifen Nebel gegen den Wind, und Minze dachte an Nessels dritte Regel.
- Da schoss die Ofengabel los, an allen Ziegenböcken und an Nessels Kutsche vorbei, und zum ersten Mal in dieser Nacht war Minze die Erste. So hatte sie sich das nicht vorgestellt.
- „Langsam!“, rief Minze und zog mit aller Kraft am Stiel. Aber bremsen konnte die Ofengabel genauso wenig wie Minze.
- Das Feuer kam näher, dann war es unter ihr, dann hinter ihr. Die Felsen hörten auf, und unter Minzes Stiefeln war nur noch die Schlucht.
- Dann wurde das Rauschen der Bode leiser und leiser, und etwas Graues stieg aus der Tiefe herauf, kalt wie ein nasser Waschlappen. „Komm zu mir nach unten“, flüsterte es, freundlich und ganz nah an Minzes Ohr.
- „Bei mir darfst du Runden fliegen, Runde um Runde um Runde.“
- Zweites Kapitel: Rast auf dem Hexentanzplatz.
- Über der Schlucht war die Luft eisig und roch nach Moos und kaltem Flusswasser. Im Mondlicht sah Minze ihren Atem. Aus der Tiefe schob sich ein Gesicht, weich und grau, mit Augen wie zwei dunkle Pfützen.
- Lange Finger aus Nebel legten sich um den Stiel, und auf den Eisenzinken wuchs Reif.
- Oben auf den Felsen sah die Ofengabel das Feuer, und mit einem Ruck riss sie sich los. Am Rand des Feuerscheins zuckten die Nebelfinger zurück in die Schlucht, und Minze sah es genau.
- Dann landete Minze kopfüber in einem dunklen Busch. Mitten im Busch stand ein Ziegenbock und kaute. Er sah Minze an und kaute weiter.
- Nessel landete dahinter, stieg aus und zählte an den Fingern ab.
- „Erstens: Das war ein Busch“, sagte sie, und vorn an der Kutsche schnatterte die erste Ente, weil sie ihren Namen gehört hatte. „Zweitens: Kutsche.“ Da schnatterte auch die zweite.
- Minze spuckte empört ein Blatt aus. „Das zählt nicht! Der Busch war schon besetzt!“
- Der Ziegenbock kaute. „Busch ist Busch“, sagte Nessel.
- Minzes Gesicht wurde heiß bis unter den Hut. Von den grauen Fingern sagte sie nichts. Sonst fuhr sie für immer in der Kutsche.
- Der Hexentanzplatz war eine flache Felsenwiese hoch über dem Bodetal, gegenüber der Roßtrappe. Die großen Hexen streckten die müden Füße aus, die Ziegenböcke dampften im Gras, und über dem Feuer summte leise Nessels Teekessel.
- Bis Mitternacht war noch Zeit für eine ganze Kanne.
- Minze setzte sich ans Feuer. „Warum heißt das hier eigentlich Hexentanzplatz?“, fragte sie mürrisch. „Hier tanzt doch keiner.“
- „Hier wird ausgeruht“, sagte Nessel. „Getanzt wird oben auf dem Brocken. Früher hieß dieser Platz des Teufels Tanzplatz.“
- Dann erzählte sie. Der Teufel stritt einmal mit dem lieben Gott um die Erde, und diese Felsen sollten die Grenze sein. Hier baute der Teufel seine Mauer und tanzte dabei vor Freude, bei jedem Stein ein Hüpfer.
- So erzählt es die Sage, und von diesem lauten Jubeltanz hat der Platz seinen alten Namen.
- Vor Aufregung schnippte Minze mit den Fingern, und ein türkisfarbener Funke sprang heraus. Er kitzelte warm in ihrer Faust, und neben ihr im Gras ruckte die Ofengabel ein Stück näher.
- Nessel erzählte weiter: „Bald fand der Teufel seine Hälfte zu klein, und er wollte noch das Tal dazu. So ein Nimmersatt!“ Dabei sah sie Minze an.
- Unten in der Schlucht lag die Trübe und lauschte. Sie hatte Wärme gerochen: die alte Ofengabel und ein Hexenmädchen mit warmen Funken in der Faust. „Diese beiden will ich“, flüsterte die Trübe. Dann fing sie an zu steigen.
- Nach dem Tee schickte Nessel Minze in die Kutsche, und bald schnarchte der ganze Hexentanzplatz. Minze lag unter der Decke, den Hut neben sich auf dem Kissen, und blieb hellwach.
- „Nur noch eine Runde“, flüsterte sie in Nessels Richtung.
- Nessel schnarchte. Minze beschloss, dass Schnarchen Ja hieß.
- Leise nahm sie die Ofengabel und stieg auf. Nur eine einzige Landung wollte sie üben, eine ganz ohne Busch. Doch sofort spürte die Ofengabel das Feuer.
- „Nicht ins Feuer!“, flüsterte Minze erschrocken und riss den Stiel herum.
- Die Ofengabel bockte, Minze plumpste ins Gras, und die Ofengabel schoss ohne sie über die Felskante hinaus. Da packte ein langer grauer Arm die Ofengabel. Sie klirrte einmal, dann zog der Arm sie hinunter in die Tiefe.
- Minze saß im Gras und hatte einen Kloß im Hals. Allein kam sie nie an ihre Ofengabel heran, und weckte sie Nessel, dann durfte sie vielleicht nie wieder fliegen. Trotzdem stand sie auf, um Nessel zu wecken.
- Da kam die Trübe. Sie quoll über die Felskante wie Milch, die im Topf überkocht, und schluckte jedes Geräusch. Vom Feuer blieb nur ein orangefarbener Fleck. Minze tastete sich darauf zu, bis ihr eisige Luft ins Gesicht wehte.
- So kalt war es nur über der Schlucht, und schnell drehte sie um.
- Irgendwo im Grau rief Nessel: „Aufbruch! Die Trübe steigt, gleich ist Mitternacht.“
- „Ich bin hier!“, schrie Minze, aber die Trübe schluckte den Ruf hinunter.
- Nessel zählte ihre Enten, und jede schnatterte bei ihrem Namen. „Erstens. Zweitens. Drittens. Viertens.“ Viertens schnatterte zu spät, wie immer.
- Was Nessel nicht wusste: Unter Minzes Decke lag nicht Minze. Dort lag ein Stück von der Trübe, grau und rund wie ein schlafendes Hexenmädchen.
- „Und Minze schläft schon“, sagte Nessel zufrieden.
- Es zischte, als Nessel den Tee ins Feuer goss, und der Fleck wurde dunkel. Minze lief der Stimme nach, doch Flügel und Hufe wurden schon leiser und leiser.
- Dann war es still. Minze war allein auf dem Hexentanzplatz. Das dachte sie jedenfalls.
- Dicht an ihrem Ohr flüsterte die Trübe: „Jetzt gehörst du mir.“
- Drittes Kapitel: Über dem Nebel.
- Es war kurz vor Mitternacht, und die Trübe lag über dem Hexentanzplatz. Der Mond war fort, kalte Tropfen liefen Minze in den Kragen, und tief unten in der Schlucht klirrte leise die Ofengabel.
- Minze setzte sich auf einen Stein und weinte ein bisschen. Dann wischte sie sich die Nase am Ärmel ab, was Nessel nie erlaubt hätte. Nessel hatte sie nicht vergessen. Die Trübe hatte sie hereingelegt.
- Die Trübe flüsterte so sanft, dass es Minze noch kälter wurde: „Wenn es Mitternacht ist, kommst du mit mir nach unten. Dann siehst du nie wieder ein Feuer.“
- Warten ging nicht, und weglaufen im Dunkeln erst recht nicht. Dann verstummte sogar die Bode. Die Trübe hatte auch sie verschluckt.
- „Ich habe Angst“, sagte Minze, und ihre Stimme wackelte. Das Aussprechen half ein bisschen. „Und jetzt hole ich meine Ofengabel.“
- Die Trübe mochte kein Feuer, das hatte Minze an der Schlucht gesehen, und ein ganz kleines Feuer trug Minze selbst in den Fingern. Doch die waren zu kalt zum Schnippen.
- Wer Minze gegen die Trübe helfen will, reibt jetzt die Hände aneinander, bis sie warm sind. Und wer schnippen kann, schnippt dazu.
- Minzes Hände wurden warm. Sie schnippte, und ein türkisfarbener Funke sprang heraus, dann noch einer und noch einer. Wo ein Funke hinflog, zischte es, und in der Trübe blieb ein Loch, rund und schwarz und mit Sternen darin.
- Plötzlich schabte Eisen über Stein, erst weit weg, dann immer näher. Durch eines der Löcher kroch die Ofengabel heran und legte ihre kalten Zinken in Minzes warme Hand. Die Zinken klapperten wie Zähne.
- „Du bist ja eiskalt“, sagte Minze, und diesmal musste sie lachen.
- Sie schnippte noch einmal, doch es kam kein Funke mehr. Ihre Finger waren leer, und die Löcher wuchsen wieder zu.
- „Gib mir deine Wärme“, flüsterte die Trübe, gar nicht mehr freundlich, und ihre Stimme kam von allen Seiten.
- Minze setzte sich auf den Stiel, und da ruckte die Ofengabel nach oben, zum größten Feuer der Nacht auf dem Brocken. Minze wollte dagegenhalten, wie immer. Doch wo es warm war, konnte die Trübe nicht hin.
- Diesmal ließ Minze die Ofengabel ziehen.
- Es ging steil hinauf, mitten in die Trübe hinein. Sie war so dicht, dass Minze nicht mehr wusste, wo oben war, und an ihren Wimpern hingen Tropfen. Graue Finger griffen nach ihrem Kleidsaum und fassten ins Leere.
- Die Trübe stieg hinterher, höher, als ein Nebel steigen sollte.
- Dann wurde es auf einmal hell, und Minze schoss hinaus ins Mondlicht. Die Trübe quoll ihr nach, doch hier oben war die Luft milder, und sie wurde dünner und dünner, bis der Mond durch sie hindurchschien.
- „Die gehört mir!“, zischte die Trübe und schnappte nach den Eisenzinken.
- Übrig blieb nur ein kleines graues Wölkchen. Es nieste einmal beleidigt und sank zurück ins Tal.
- Unter Minze lag der Nebel weiß und still, nur noch nasse Luft. Ganz hinten auf dem Brocken leuchtete das Feuer, und die Ofengabel flog darauf zu, so gerade, dass Minze sich fast langweilte.
- Auf dem Brocken prasselte das Feuer zwischen altem Schnee, und Minze landete auf beiden Stiefeln, ganz ohne Busch. Die Ofengabel legte sich ans Feuer. Es roch nach Rauch und nach Salbeitee.
- Später landete die Kutsche. Nessel beugte sich über die Decke und sagte so sanft, wie Minze sie noch nie gehört hatte: „Aufwachen, Minze. Wir sind da.“ Dann hob sie den Hut hoch.
- Darunter war nur ein nasser Fleck auf dem Kissen.
- „Fünftens“, rief Minze vom Feuer her, „hier bin ich!“
- Nessel kam so schnell herüber, dass sich ihr Zopf vom Hals wickelte. „Den ganzen Weg?“, flüsterte sie. „Allein?“
- „Zu zweit“, sagte Minze. „Mit meiner Ofengabel.“
- Dann erzählte Minze alles, auch von der heimlichen Runde. Nessel hörte zu und zählte kein Mal an den Fingern.
- „Und ich habe mich noch gewundert“, sagte Nessel trocken, „dass du unterwegs so still warst.“
- „Nur noch eine Runde?“, fragte Nessel und zeigte auf die tanzenden Hexen.
- Minze gähnte so weit, dass man ihre Zahnlücke sah. „Morgen“, murmelte sie.
- Den Hexentanzplatz gibt es wirklich, bei Thale hoch über dem Bodetal, gegenüber der Roßtrappe. Hinauf fährt eine Kabinenbahn, oder ihr wandert auf einem Weg mit vielen Kurven.
- Oben zeigt die Walpurgishalle große Bilder von der Walpurgisnacht, im Tierpark leben Tiere aus dem Harz, und jeden dreißigsten April wird dort Walpurgis gefeiert.
- Und seht ihr am Weg einen zerzausten Busch, dann grüßt ihn schön von Minze.
Wo ihr das heute seht
Auf den Hexentanzplatz bei Thale fährt eine Kabinenbahn, ihr könnt aber auch hinaufwandern. Oben steht die Walpurgishalle mit großen Gemälden zur Walpurgisnacht, und jedes Jahr am 30. April wird hier Walpurgis gefeiert.
Auf der Harzkarte zeigen etwa 19 km von Wernigerode